Hochzeit, Hochzeit: Wie wir Trauzeugen auf einer kambodschanischen Hochzeit wurden (Teil 2)
Alles begann am 10 Februar mit einer Sprachnachricht von unserer Bekannten Anika: „Mein Cousin heiratet in zwei Wochen und braucht noch Trauzeugen. Meine Mutter findet, ihr seid genau die richtigen für diesen Job.“ Und so kam es, dass mein Mitfreiwilliger Paul und ich am Morgen des 21 Februars in einem Dorf in Kampong Speu ankamen, traditionelle Kleidung angezogen bekamen und als Trauzeugen verschiedenste Zeremonien miterleben und mitmachen durften. Gegen Mittag ist kurz Pause und wir fahren ins Hotel um uns auszuruhen. Doch schon am frühen Abend sind wir wieder da...
Nachdem wir um kurz vor fünf angekommen sind, bekommen wir wieder kambodschanische Kleider angezogen. Das ist nun Kostüm Nummer 3, das dritte und letzte traditionelle Kostüm des Tages. Schick gemacht nehmen wir sechs Trauzeugen Platz am Eingangszelt. Unsere Aufgabe ist es, die Gäste zu begrüßen und Schlüsselanhänger als Willkommensgeschenk zu verteilen. Einige der Gäste kennen wir schon vom Morgen, die meisten Gäste kommen aber erst abends. Unsere Landesmentorin Lim und So, eine weitere Freiwillige, kommen auch. Am Einlass kommen Paul und ich auch erstmals so richtig mit den anderen Trauzeugen ins Gespräch. Nachdem die morgendlichen Zeremonien erfolgreich durchgeführt worden waren, sind jetzt alle etwas entspannter.
Nach etwa einer Stunde am Einlass können wir essen gehen. Es gibt wieder viele kambodschanische Gerichte: Reis, Fisch, Fleisch, Suppe, Reiskuchen und mehr. Außerdem gibt es natürlich Getränke. Weil alle mit Essen und heiteren Gesprächen beschäftigt sind, geht das Liveprogramm ein wenig unter. Schade eigentlich. Eine Liveband spielt kambodschanische Musik. Von Klassikern von Sinn Sisamuth und Ros Sorosothea, über aktuelle Popsongs und Raptracks bis hin zu Techno ist alles dabei. Immer wieder kommen auch Tänzerinnen auf die Bühne.
Das Highlight des Abends kommt aber noch: Nach dem Wurf des Brautstraußes beginnt die Band wieder zu spielen. Immer mehr Leute, junge, aber vor allem auch ältere, zieht es auf den Dancefloor. Zunächst werden traditionelle kambodschanische Hochzeitstänze durchgeführt. Ähnlich, wie bei den viel komplizierteren Apsara-Tänzen, spielen auch hier grazile Handbewegungen eine wichtige Rolle. Die gleichmäßigen Handbewegungen stehen im Einklang mit dem langsamen Laufen im Kreis. Weil ich schon im November auf einer kambodschanischen Hochzeit zu Gast war, kenne ich die Tänze schon halbwegs. Paul und ich haben jedenfalls viel Spaß am Mittanzen.
Irgendwann enden die traditionelleren Lieder und nach einer kurzen Pause für die Band geht es mit moderner Musik weiter. Pop, Hiphop, Techno, alles ist dabei. Und alles ist auf Khmer! Ganz selten und auch erst gegen Ende kommt ab und zu mal ein koreanischer, englisch- oder spanischsprachiger Song. Die meisten älteren Menschen haben sich mittlerweile vom „Parkett“ verabschiedet, stattdessen sind jetzt vor allem die jüngeren Leute am Tanzen. Es wird ausgelassen getanzt. Während in Deutschlands Klubs und Partys oft einfach auf und ab gesprungen wird, sind die Bewegungen hier viel kreativer. Die coolsten Moves haben sicherlich die Kinder drauf (und Paul, der ihre Bewegungen mitmacht ;)). Die Stimmung ist ausgelassen. Die Band ist stark und hält echt lange durch, bis irgendwann der DJ übernimmt. Zwei, drei Mal geht die Musik kurz aus, weil jemand über ein Kabel gestolpert ist. Das schadet der Stimmung aber nicht.
Wir tanzen. Wir machen die Nacht zum Tag. Bis um 11 Uhr abends. Dann ist Schluss. Schlafenszeit ;) . Im Vergleich zu europäischen Hochzeiten ist das recht früh. Die andere kambodschanische Hochzeit, bei der ich im November war, war sogar schon um 10 Uhr abends zu Ende. Wenn man aber, wie wir, seit drei Uhr morgens wach war, kommt einem 11 Uhr abends doch gar nicht so früh vor.
Nicolas Minke, Phnom Penh, 08.05.2026
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